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Wir sind Gustav, Jakob, Ole und Anton und wir beschäftigen uns auf dieser Website mit Plastikmüll im Meer. Sie finden hier unsere Forschungsfragen, ein Interview und unseren Besuch in einer Galerie.

Lotosprojekt der Jenaplan-Schule Weimar

Unser Interview mit Marko Freese

Unsere Fragen: 

 

1. Wodurch kommt der Großteil des Plastikmülls ins Meer?

Der größte Teil des Plastikmülls gelangt über Flüsse ins Meer. Untersuchungen zeigen, dass ein erheblicher Anteil aus unsachgemäß entsorgtem Müll an Land stammt. Verpackungen und Alltagsgegenstände werden weggeworfen, gelangen in die Umwelt und werden schließlich über Gewässer ins Meer transportiert. Ein weiterer relevanter Anteil stammt aus der Fischerei, etwa durch verlorene Netze oder Ausrüstung.

2. Welche Maßnahmen würdest du ergreifen, um Plastikmüll im Meer zu reduzieren? Wie genau?

Aus meiner Sicht liegt der wichtigste Ansatz darin, unseren Umgang mit Plastik grundsätzlich zu verändern. Viele Plastikverpackungen sind vermeidbar und sollten reduziert werden, insbesondere bei Produkten, die auch ohne Verpackung gut haltbar sind. Gleichzeitig ist es wichtig, Recycling und Wiederverwendung zu verbessern. Ein anschauliches Beispiel ist, dass ich in den USA tatsächlich schon geschälte Bananen in Plastikfolie verpackt gesehen habe. Solche Anwendungen zeigen sehr deutlich, wie unnötig ein Teil unseres Plastikverbrauchs ist.

3. Was war die überraschendste Erkenntnis deiner Forschung?

Im Rahmen des BALANCE-Projekts, bei dem wir in der Ems abwandernde Blankaale quantifiziert haben, konnten wir gleichzeitig den im Netz anfallenden Müll untersuchen. Besonders überraschend und auch erschreckend war die Menge an Verpackungsmüll und alltäglichen Gegenständen, die über Flüsse transportiert werden und letztlich im Meer landen. Ebenso beeindruckend ist es, wie regelmäßig wir in der Sargassosee, weit draußen im Atlantik südöstlich von Bermuda, Plastikmüll an der Oberfläche beobachten.

4. Wie stark hängt die Plastikmüllverschmutzung mit unserem Wirtschaftswachstum zusammen?

Ich beschäftige mich nicht direkt mit wirtschaftlichen Kennzahlen. Was sich aber klar sagen lässt, ist, dass Plastikmüll vor allem in Regionen mit hohem Konsum entsteht und häufig auch dort produziert wird. Das betrifft insbesondere wohlhabende Länder mit hohem Verbrauchsniveau. Gleichzeitig nimmt das Problem auch in Schwellenländern zu, in denen Konsum wächst, ohne dass immer geeignete Entsorgungs- und Recyclingstrukturen vorhanden sind.

5. Haben wir den Kampf gegen Plastikmüll im Meer schon verloren?

Den bereits vorhandenen Müll vollständig aus dem Meer zu entfernen, wird nicht möglich sein. Insofern ist das Problem sehr groß und langfristig. Entscheidend ist daher, dass wir verhindern, dass weiterhin große Mengen an Plastik ins Meer gelangen. Dazu gehört, unseren Konsum zu überdenken, den Einsatz von Plastik zu reduzieren und bessere Recyclingstrategien zu entwickeln. Gleichzeitig sollten wir an umweltverträglicheren Alternativen arbeiten.

6. Warum wissen wir schon seit Jahren von dem Problem, ändern es aber trotzdem so wenig?

Veränderungen brauchen Zeit. Es gibt durchaus positive Entwicklungen, zum Beispiel kompostierbare Kunststoffbeutel im Supermarkt, weichmacherfreie Kunststoffe oder die Verwendung weniger problematischer Zusatzstoffe. Dennoch sind wir insgesamt noch nicht an dem Punkt, an dem wir eigentlich sein müssten. Ich sehe das Problem von Plastikmüll und übermäßigem Konsum sehr klar. Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass insbesondere beim Thema Mikro- und Nanoplastik in den letzten Jahren auch ein gewisser Hype in der Forschung entstanden ist, bei dem teilweise stark auf Aufmerksamkeit und Schlagzeilen abgezielt wurde.

So habe ich beispielsweise Darstellungen gesehen, in denen eine Plastiktüte im Meer landet und am Ende direkt im Fischfilet auf dem Teller eines Restaurantgastes dargestellt wird. Solche Bilder sind sehr zugespitzt und so in dieser Form nicht korrekt. In vielen Fällen muss man genauer hinschauen, wie schädlich diese Partikel tatsächlich sind und welche Effekte wissenschaftlich belegt sind. Das Problem ist real, aber es ist wichtig, es differenziert und sachlich zu betrachten.

Mein Name ist Dr. Marko Freese, ich bin 44 Jahre alt und lebe in Bremen. Ich habe in Göttingen Biologie und später in Kiel Meeresbiologie studiert, mit den Schwerpunkten Fischereibiologie, Meereschemie und Zoologie. Seit 2011 arbeite ich in der Fischerei- und Meeresforschung am Thünen-Institut für Fischereiökologie. In meiner Promotion habe ich mich vor allem mit dem Einfluss chemischer Schadstoffe auf die Fortpflanzungsfähigkeit des Europäischen Aals beschäftigt.

Ich bin kein ausgewiesener Spezialist für Plastikmüll oder Mikroplastik. Im Rahmen meiner Forschung habe ich mich aber immer wieder mit entsprechenden Fragestellungen beschäftigt. Ein Beispiel dafür ist die Sargassosee im Atlantik. Die großräumigen, zyklischen Meeresströmungen in diesem Gebiet führen dazu, dass sich treibender Müll dort sammelt – gewissermaßen wie in einem atlantischen Müllstrudel. Während unserer mittlerweile sechs jeweils etwa vierwöchigen Forschungsreisen in dieses Gebiet seit 2011 haben wir daher auch regelmäßig Plastikmüll an der Meeresoberfläche beobachtet, obwohl wir uns weit entfernt von jeder Küste befinden.

Plastik im Meer ist grundsätzlich immer menschengemacht. Untersuchungen des Thünen-Instituts zeigen zudem, dass sich Müll nicht nur an der Oberfläche, sondern auch am Meeresboden ansammelt. Dabei stammt ein erheblicher Teil des größeren Mülls aus der Fischerei, beispielsweise durch verlorene Netze oder andere Ausrüstungsgegenstände. Gleichzeitig sind kleinste Kunststoffpartikel, etwa Fasern aus Kleidung, heute nahezu überall in den Weltmeeren nachweisbar. Darüber hinaus begegnen uns auf hoher See auch ganz alltägliche Gegenstände wie Verpackungsfolien, Joghurtbecher, Getränkeflaschen oder Dosen.

Auch Untersuchungen in Flüssen zeigen, wie dieser Müll ins Meer gelangt. Im Rahmen eines Aalprojektes haben wir in der Ems über mehrere Monate mit einem fest in der Strömung installierten Hamennetz gefischt und dabei auch den transportierten Müll erfasst. Dabei fanden sich genau die Gegenstände, die man auch bei einem Spaziergang oder einer Autofahrt am Straßenrand liegen sieht. Dieser Müll wird oft achtlos entsorgt, gelangt in Gewässer und wird schließlich bis ins Meer transportiert. Während dies in Mitteleuropa häufig unbeabsichtigt geschieht, fehlen in anderen Regionen der Welt oft funktionierende Mülltrennung und Recyclingstrukturen. Die dort ebenfalls genutzten Produkte und Verpackungen gelangen dann teilweise bewusst direkt über Flüsse ins Meer.

In der Ausstellung von Pro Ocean

Die Ausstellung zeigte eine eindrucksvolle Informations- und Erlebnisfläche rund um Recycling, Nachhaltigkeit und den Schutz unserer Ozeane.